Mehrwertsteuer und Verbrauchsteuern: Wie Ihr Nettogehalt ein zweites Mal besteuert wird
Ihr Nettolohn ist nicht das Ende Ihrer Steuerlast. Nachdem Einkommensteuer und Sozialabgaben bereits ihren Anteil vom Bruttolohn einbehalten haben, greift die Mehrwertsteuer erneut zu, wenn Sie Geld ausgeben. In den 25 Ländern dieses Tools reichen die Standardsätze von 7,7 % in der Schweiz bis 27 % in Ungarn. Für Arbeitnehmer, die den Großteil ihres Nettoeinkommens ausgeben statt anzulegen, addiert die Verbrauchsbesteuerung eine weitere effektive Belastung, die auf niedrigerem Einkommensniveau mit der Einkommensteuer vergleichbar sein kann.
Wie die Mehrwertsteuer erhoben wird – und wer sie wirklich zahlt
Die Mehrwertsteuer ist eine mehrstufige Steuer, die auf jeder Stufe der Lieferkette erhoben wird. Unternehmen berechnen MwSt. auf ihre Verkäufe und führen sie an das Finanzamt ab, können aber die auf eigene Einkäufe gezahlte Steuer als Vorsteuer abziehen. Nur der Endverbraucher – der keine Erstattung erhält – trägt die volle Last. Diese Konstruktion macht die MwSt. besonders erhebungseffizient und schwer zu hinterziehen.
Die meisten Länder erheben den Regelsteuersatz auf die Mehrzahl der Güter und Dienstleistungen, mit ermäßigten Sätzen oder Befreiungen für Grundbedarfsgüter wie Lebensmittel, Medikamente und öffentlichen Nahverkehr. Die tatsächliche Belastung hängt daher sowohl vom Regelsatz als auch davon ab, welcher Anteil der Haushaltsausgaben in ermäßigte Kategorien fällt. Haushalte mit hohem Grundbedarfsanteil tragen proportional eine höhere MwSt.-Last als einkommensstarke Haushalte.
MwSt.-Sätze in 25 Ländern
Unter den 25 Ländern dieses Tools variieren die Mehrwertsteuersätze erheblich. Ungarn führt mit 27 %, gefolgt von Kroatien, Dänemark, Norwegen und Schweden mit je 25 %. Die meisten EU-Mitglieder liegen zwischen 19 % und 23 %, Deutschland bei 19 %, Frankreich bei 20 %. Das Vereinigte Königreich hält seinen Satz von 20 % seit vor dem Brexit. Am unteren Ende liegen die Schweiz mit 8,1 %, Japan mit 10 %, Singapur mit 9 % sowie Australien mit seiner GST von 10 %.
Die USA und Kanada bilden Ausnahmen vom MwSt.-Modell. In den USA gibt es keine Bundesumsatzsteuer; stattdessen erheben einzelne Bundesstaaten eigene Verkaufssteuern von 0 % bis über 10 %. Kanada kombiniert eine bundesweite GST von 5 % mit provinziellen Verkaufssteuern, was zu kombinierten Sätzen von 5 % in Alberta bis 15 % in den Atlantikprovinzen führt. Hongkong erhebt überhaupt keine allgemeine Verbrauchsteuer und gehört damit zu den steuerlich günstigsten Regionen im Tool.
Ermäßigte Sätze, Befreiungen und ihre praktische Bedeutung
Fast alle Länder wenden auf bestimmte Güter und Leistungen ermäßigte Sätze an. In der EU gilt ein Mindest-Normalsatz von 15 %, doch Mitgliedstaaten dürfen für festgelegte Kategorien – Lebensmittel, Bücher, Hotelübernachtungen, Energie – ermäßigte Sätze von mindestens 5 % anwenden. Frankreich und Italien kennen zudem Super-Ermäßigungssätze von 5 % oder sogar 2,1 % für sehr spezifische Güter wie verschreibungspflichtige Medikamente.
Die Breite der Befreiungen wirkt sich erheblich auf tatsächliche Haushaltsausgaben aus. In Großbritannien sind die meisten Lebensmittel (ausgenommen Restaurantmahlzeiten) und Kinderkleidung nullbewertet. In Deutschland gilt der ermäßigte Satz von 7 % für Lebensmittel, Druckerzeugnisse und bestimmte kulturelle Aktivitäten. Welcher effektive MwSt.-Satz tatsächlich anfällt, hängt von den eigenen Ausgabenkategorien ab – deshalb modelliert die Budgetanalyse in NettoFlow den MwSt.-Effekt für konkrete Ausgabentypen.
Verbrauchsteuern als Teil der Gesamtsteuerbelastung
Ökonomen, die den gesamten Steuerkeil messen, beziehen Verbrauchsteuern in die Berechnung ein. Ein Arbeitnehmer in Ungarn, der bereits einem Einkommensteuersatz von 15 % und Sozialabgaben von 18,5 % unterliegt, zahlt auf seine Ausgaben zusätzlich 27 % MwSt. Selbst wenn alle Ausgaben dem ermäßigten Satz von 5 % unterliegen, addiert dies die Gesamtbelastung spürbar. Am oberen Ende kombinierter Steuerumgebungen kann die effektive Gesamtbelastung der Arbeit über 70 % betragen.
Der Tag der Steuerfreiheit – das symbolische Datum, an dem ein Arbeitnehmer genug verdient hat, um alle Steuern zu decken – wird direkt durch den Verbrauchsteuersatz beeinflusst. Länder mit hoher MwSt. verschieben diesen Tag weiter ins Jahr, selbst wenn ihre Einkommensteuersätze nicht die höchsten weltweit sind. Die Schweiz profitiert trotz vorteilhaftem Einkommensteuersystem enorm von ihrem niedrigen MwSt.-Satz: Arbeitnehmer behalten in der realen Kaufkraft deutlich mehr von ihrem Nettolohn.